DER KLANG DES PAPIERS – BLOG

EXPOSÉ

Posted in Thema by luziferin on 22. März 2009

ABSTRACT

Der Mensch ist ein Augentier. Das Sehen ist der wohl wichtigste Sinn eines Menschen. Er nimmt damit einen Großteil seiner Umwelt wahr. Ohne andere Sinne, wie vor allem das Hören, könnte er jedoch nicht alle Informationen erfassen, da jeder einzelne auf unterschiedliche Reize ausgerichtet ist.
Besonders wichtig hierbei ist die Kombination von visueller und auditiver Wahrnehmung, ein Thema, mit dem sich seit langem auch schon die Kunst und die Medien beschäftigen. Die Entwicklung reicht von ersten Klang- und Lichtexperimenten, bis hin zur Verwendung modernster digitaler Techniken.
Zu erwähnen sind Nam June Paik oder auch VJ-Künstler wie Coldcut. Die Aufgabe für die Diplomarbeit ist es, sich unter anderem mit der Beziehung zwischen Bild und Ton auseinanderzusetzen.

BESCHREIBUNG DES THEMAS

Der Mensch ist ein Augentier. Studien zufolge nimmt der Mensch 83% seiner Umwelt durch Sehen wahr, lediglich 11% davon über die Ohren und schließlich nur noch einen geringen Teil über die anderen Sinne (3,5% Riechen, 1,5% Fühlen, 1% Schmecken). Vergleicht man das Sehen mit dem Hören, erkennt man, dass die Aufnahme von Reizen über das Auge selektiv geschieht, denn der Mensch hat die Möglichkeit wegzusehen oder die Augen zu schließen. Weghören dagegen ist viel schwieriger, da man die Ohren ohne Hilfsmittel nicht einfach verschließen kann. Andersherum ist man mit dem Gehör in der Lage, mehrere Dinge gleichzeitig wahrzunehmen. Bei einem Spaziergang durch den Park hört man beispielsweise das Reden von Leuten, das Zwitschern von Vögeln und das Rauschen von Blättern zum gleichen Zeitpunkt, obwohl die Geräuschquellen unabhängig voneinander im Raum verteilt sind. Das Sehen ist hierbei immer nur auf eine Richtung oder gar ein Objekt hin ausgerichtet. Trotz der permanenten Beschallung des Gehörs ist es dem Menschen möglich, bestimmte Geräusche zu fi ltern und somit dennoch teilweise auch wegzuhören. Hört man sich beispielsweise ein Musikstück an, kann man sich gezielt auf eine Tonspur der gespielten Instrumente konzentrieren, um möglicherweise einen Teil davon selbst nachzuspielen.

Ein weiterer Unterschied der beiden Sinne liegt bei der Verarbeitung von Reizen. Optische Signale werden aufgrund des Verlaufs der Nervenbahnen gleich rational gedeutet, während akustische erst emotional und dann erst auch rational bewertet werden. Auch zu beachten ist der zeitliche Aspekt bei der Wahrnehmung. Beispielsweise können Teile eines Films als Standbild gezeigt werden. Die Bewegung ist eingefroren, jedoch erkennt man noch alle Objekte oder Personen im Bild. Hört man sich ein „akustisches Standbild“ an, ist man so gut wie nicht in der Lage, etwas daraus zu erkennen, da es völlig fremd wirkt. Neben rein akustischen und optischen Reizen gibt es natürlich auch Kombinationen. Verschiedene Signale können bei der Wahrnehmung in Zusammenhang gebracht werden, was dazu führt, die Umwelt genauer beschreiben zu können. Außerdem ist zu erwähnen, dass vorangegangene Erfahrungen bei der Bewertung von verschiedenen Sinneseindrücken von großer Bedeutung sind.

In der bildenden Kunst war die Verbindung von Ton und Bild schon vor der Einführung des Stumm- und Tonfi lms von großer Bedeutung. Untersuchungen zwischen den Beziehungen schrieb man den Begriff Optophonetik zu. Ein bekanntes Phänomen ist das Farbhören, auch Audition Colorée genannt. Hier werden bestimmten Klängen oder Tönen bestimmte Farben zugeordnet. So werden tiefe Töne mit eher dunklen, hohe Töne mit helleren Farben oder Farbtönen beschrieben. Im Allgemeinen nennt man eine Übertragung und Zuweisung verschiedener Sinneseindrücke auf andere Wahrnehmungsformen Synästhesie

Nicht nur in der Kunst, auch in den Medien haben Sinne schon immer eine große Rolle gespielt. Vor allem in der Werbung versucht man, die Wahrnehmung der Rezipienten zu beeinfl ussen, um sie zum Kauf von Konsumgütern anzuregen. Ebenso manipulativ nutzte auch die Politik vielfach Medien wie Fernsehen oder Radio zur Propaganda.

Auf die Beeinfl ussung durch Medien reagieren Künstler mit ihren Arbeiten. Vorreiter in der Videokunst ist hierbei der Südkoreaner Nam June Paik, der unter anderem als Gründer der Gruppe Fluxus bekannt ist. Mit der Aussage „Television has been attacking us all our lives, now we can attack it back“ forderte er Ende der 1960er Jahre auf, sich auch dem Medium des Videos in der Kunst zu bedienen. Seitdem hat sich der Bereich der Videokunst bedeutend weiterentwickelt, was vor allem dem Fortschritt der Technik von Aufnahme- und Abspielgeräten zu verdanken ist. So waren Geräte am Anfang nahezu unbezahlbar und heutzutage hat jedes Mobiltelefon eine integrierte Videokamera. Ebenso ist die Technik in der Bildgenerierung am Computer so fortgeschritten, dass man mittlerweile am eigenen Rechner zu Hause beeindruckende Bildwelten erschaffen kann, was vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre. In Sachen Sound war man sogar schon früher soweit, ein reales Abbild der Umwelt zu erzeugen, und längst zählt digitaler Surroundsound zum Standard eines herkömmlichen Fernsehabends zu Hause.

Um aber in der Zeitgeschichte wieder ein bisschen zurückzugehen, ist zu erwähnen, dass sich seit Mitte der 1980er verstärkt die Verwendung von Videomanipulation, wie bespielsweise das „Scratchen“ entwickelte. Dieser Begriff hatte sich schon seit längerem bei den DJs etabliert und bezeichnet vor allem das ruckartige Zurückschieben und Loslassen der Schallplatte auf einem Plattenspieler, das zu Wiederholungen kurzer Fragmente eines Musikstückes führt. Viele Techniken aus dem Tonmischen verwandte man entsprechend auch bei Videomaterial und durch den Fortschritt der Technik ist es mittlerweile auch möglich, alles digital „nachzuahmen“. So gibt es beipielsweise DVD-Abspielgeräte, die wie ein Schallplattenspieler zu steuern sind (z.B. Pioneer DVJ 1000), oder gar eigens für den Computer erstellte Software. Entsprechend dem DJ (Disc Jockey) nennt man einen Video-Misch-Künstler VJ (Visual Jockey). Oft arbeiten VJs in Clubs und versuchen dort, mit ihrem Material und ihrer Ausstattung zu der Musik, die dort aufgelegt wird, zu improvisieren und visuell zu untermalen. Musik und Bild sind dabei meist völlig ohne Zusammenhang. Seltener ist es der Fall, dass Ton und Bild übereinstimmen. Man spricht hierbei von audio-visuellen Performances, sofern dies live vor Publikum geschieht.

Ein herausragendes Beispiel aus diesem Bereich ist das Stück „Timber“ von Coldcut aus dem Jahre 1997. In den meisten Fällen stellt sich bei diesen Peformances aber das Problem, dass der Zuschauer nicht wirklich nachvollziehen und verstehen kann, was die Künstler gerade wirklich auf der Bühne tun, da sie die ganze Zeit nur auf ihre Monitore schauen und an verschiedenen Reglern drehen.

ZIELSETZUNG UND MOTIVATION

Die Aufgabe für die Diplomarbeit ist es, sich unter anderem mit der Beziehung zwischen Bild und Ton auseinanderzusetzen. Die weitere Recherche wird sich nun mit den Fragen befassen, welche Einflüsse optische und akustische Signale auf den menschlichen Körper ausüben können und welche Reaktionen daraus resultieren. Die letztendliche formale Umsetzung des Themas ist noch offen und soll sich erst durch weitere Untersuchungen konkretisieren. Naheliegend wäre die Gestaltung einer audio-visuellen Installation oder sogar einer Performance. Auch ein interaktiver Aspekt könnte bei dem Ganzen eine Rolle spielen. Der Betrachter oder Nutzer sollte am Ende selbst eingreifen können. Ebenso denkbar wären die Durchführung von Workshops, deren Ergebnisse beispielsweise kleine audio-visuelle Performances sein könnten.

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